Einsamkeit verändert uns

Einsamkeit verändert uns

Soziales Miteinander ist kein Fahrrad fahren

Wut, Trauer, Hass, Neid, Resegnation, Zurückhaltung, soziale Isolation, Depression ..... 

Peter, 34 (Name geändert) An manchen Tagen während der Einsamkeit, stellten sich selbst Dinge wie einkaufen, eine Fahrt mit der Straßenbahn, wochenendlicher Zugverkehr, Geburtstags-Gesellschaften, Artztbesuche, selbst die Verabredung mit einem Freund als schwer zu lösende Aufgaben heraus. Ich hatte kaum mehr einen Vergleich. Die plötzliche und ungewohnte Aufmerksamkeit seitens meines Gegenübers traf mich jedes mal trotz Ankündigung unvorbereitet. Meine unfreiwillig erlernte Unsicherheit, suchte ich doch die Fehler für mein sperrlich besätes soziales Umfeld bei mir! Ein plötzliches Interesse an meiner Person welches drohte, mein Gefühl der Einsamkeit als vermeindliche Lüge zu enttarnen. Sich auf familiären Feiern plözlich inmitten lachender Menschen wieder zu finden, die sich über deren spannendes Leben austauschten und vergangenes, gemeinsam erlebtes Revue passieren liesen.

Eine Geselligkeit, der ich manchmal als stiller Beobachter beiwohnte. Ähnlich einem Tierfilmer, der versuchte, das Leben innerhalb eines Rudels zu erfassen. Ein andermal kämpfte ich Kräfte zehrend damit, meine Stimme, entgegen meiner Verfassung, laut auf zu drehen, um bloß kein:,,Wie bitte?" zu provuzieren. Denn diese täte mehr Aufmerksamkeit auf mich richten, als es mein sonstiger, eingeschleifter Alltag hergab. Es war, als würde ich vom Eis ins Feuer wechseln und umgekehrt. Fluchtpläne überschlugen sich in meinen Gedanken. Dabei wollte ich doch eigentlich nur Teil dessen sein, was mich umgab.

 

,,Wir verlernen das soziale Miteinander" 

 

Letztens berichtete mir ein Teilnehmer, dass er sich, um der Einsamkeit zu entfliehen auf ein Stadtfest wagte. Der Anblick von sich an den Händen haltenden, einander umarmenden, fröhlich singenden, lächelnden, im Familien oder Beziehungs-Verbund umher bummelnden Zeitgenossen, hatte ihn so tief ins Mark getroffen, dass er sich für die darauffolgendenTage ersteinmal komplett zurück ziehen musste. 

Es ist, als tätest du selbst hungernd, einem sich hinter Panzerglas befindlichem Fressgelage beiwohnen. Nur eben von der falschen Seite aus. Und alle können dich sehen, während sie ihren Hunger stillen, oder sich gar über den unzureichenden Geschmack ärgern. Alle schauen zu dir hinüber und sehen dich, sehen, dass du dort stehst und nicht mitessen kannst. Wird schon seinen Grund haben, denkt sich die eine oder der andere, die vereinnahmend, ihre Liebsten zu sich ziehen, den Arm um sie legen, bemüht sind, den Blickkontakt nicht abreißen zu lassen. Denn auch sie erinnern sich sehr genau daran, was hungern heißt. Mitlerweile denkst du an die anderen einsamen, die scheinbar zu Haus geblieben oder sich in den Wald verkrümelt haben, anstatt sich das anzutun. 

Viele, die heute einsam sind, sich nicht zugehörig, ungebraucht oder gar unerwünscht fühlen, hatten damals ein, keine Wünsche übrig lassendes, soziales Umfeld. Familie, einen tollen Kollegenstamm, Geld, Hobbys, ja einen fast aufdringlichen Freundeskreis. Sie reisten, gingen gemeinsam essen, teilten allerlei schöner Ereignisse miteinander. 

In meinem Elternhaus zum Beispiel, klingelte im Alter von 15, 16 Jahren ständig das Telefon (Handys gab es damals noch nicht), von dem aus sich Freunde nach mir erkundigten. Und das so oft, dass meine Eltern schon die Augen rollten und mich von meinem Zimmer aus in die Stube riefen, sobald nur das Klingeln ertönte. Später dann als Schlagzeuger mit verschiedenen Bands unterwegs, ..... Als ich nach Leipzig gezogen bin, genoss ich es wahnsinnig, durch die Stadt laufen zu können, ohne an jeder Ecke auf ein bekanntes Gesicht zu treffen, evtl. unfreiwillig ein Gespräch "ans Knie genagelt" zu bekommen. Und wenn der Freundeskreis am Abend in Leipzig zusammen kam, wir durch die Kneipen flanierten und sich gegen 23.00 Uhr oder bereits früher die ersten nach Haus zu ihren auf sie wartenden Partnern verabschiedeten, .... Da war der Abend noch JUNG!!! Da zog man selbstbewusst und voller Neugier auf das vielleicht Unerwartbare allein weiter, kam mit neue Menschen ins Gespräch und manchmal auch mehr.

Das Leben bewegt sich eher aus der Gemeinschaft heraus hin zur Einsamkeit, als umgekehrt. Dabei sollten wir, je mehr einsame Menschen es gibt, doch eigentlich immer dankbarer und näher zusammen rücken. Das Problem heißt Scham. 

 

Frauen, Männer. Männer suchen, Frauen suchen aus. 
 

 

 

 

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