Warum das Ganze???
Ein Schock!
Mein Name ist Ron. Ich wohne in der laut Freenet und Bild nach Düsseldorf zweit einsamsten Stadt Deutschlands, in Leipzig. Eines Morgens (es war Ende Mai 2025) wachte ich wie so oft allein auf, schubste mich unter die Dusche, als ich ein Ohr voller Schaum, das andere ganz hellhörig, einem Podcast zum Thema Einsamkeit lauschte. Darin hieß es, dass laut des renommierten Hirnforschers, Psychologen, Philosophen und mittlerweile Bestseller Autors Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Einsamkeit mitlerweile wahrscheinlich die Haupttodesursache der gesamten westlichen Welt ist. WAS????? Es durchfuhr mich wie ein Schock!. Habe ich das gerade richtig gehört? Wie hieß das soeben genannte, von ihm geschriebene Buch?
Einsamkeit. Die unterschätzte Krankheit.
Auch ich bin aus verschiedensten Gründen von Einsamkeit, ja teils sozialer Isolation betroffen. Bisher schämte ich mich für diesen Umstand, hinterfragte meine geistigen wie sozialen Eigenschaften und Fähigkeiten, wollte tunlichst vermeiden, bei meinen Mitmenschen einen bedauernswerten Eindruck zu hinterlassen. Mitunter fragte ich mich, ob die Geschichten von inneren Werten, dem Lohn für das richtige Verhalten wie Gutmütigkeit, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe, .... Ich fragte mich, ob ich in meiner damaligen, bis zum 10. Lebensjahr in der DDR stattgefundenen Kindheit, einem als Erziehung getarnten Märchen auf den Leim gegangen bin. Einem Märchen, dem auch ich nur allzu gern Glauben schenken wollte.
War dieses Modell der Tugenden dem Wunsch näher als der Realität? Habe ich mich nicht immer hilfsbereit gezeigt, habe zuweilen bei Wohnungsumzügen Möbel von Leuten geschleppt, deren einzige Verbindung zu mir darin bestand, dass diese Freunde von Freunden waren? Trage ich nicht nach dem Regen die Würmer und Schnecken über die Straße ins nächste Grün? Biete ich etwa nicht den älteren Mitbewohnern meines Hauses Hilfe beim Einkauf oder sonstigem an? Habe ich denn nicht stets ein offenes Ohr für sämtliche Belange anderer und stehe ihnen, so gut es geht mit Rat und Tat zur Seite? Wo ist der Fehler? Warum fühle ich mich so oft einsam?
Vielleicht wuchsen wir mit dieser Doktrin auf, um die Welt einmal besser zu machen als jene, in der meine Eltern aufwuchsen. Und doch erinnere ich mich an die damalige Geselligkeit. Die gemeinsamen Abende im Garten, als mein Vater schon heimlich ab winkte, weil sich schon wieder die nächsten Gäste einfanden. Vorher anrufen, eine SMS oder Mail schicken, war damals nicht möglich. Vielleicht war ja neben der damals noch kleinen Schere zwischen arm und reich, auch DAS ein Grund des uns damals all umgebenden Gemeinschaftsgefühles.
Ich saß mit am Tisch und lauschte den Gesprächen, sog die Freude auf, den entstandenen Spaß, das Lachen, die frivolen Späße, kleinen Spitzen und den Genuss, welcher in Spirituosen, Erdnussflips und Salzstangen einen soliden Boden fand. An Feiertagen besuchte man sich stets gegenseitig, die Geburtstage vielen zwischen den vielen Anlässen des Zusammenkommens kaum noch ins Gewicht.
Und ich? 45 Jahre, aktuell arbeitssuchend in einem Neubaugebiet wohnend .... . Ich dachte, DAS seien die Gründe für meine Einsamkeit. DESHALB finde ich keinen Anschluss an die restliche Gesellschafft!!! Weil ich Frauen momentan nichts bieten, sie weder in den Urlaub begleiten, noch deren Kinder ins Kino einladen kann. Ich dachte, DAS seien meine Fehler! DAS seien die Umstände, die mich das Gefühl der Einsamkeit spüren liesen. Ich dachte, das sei die wahrscheinlich gerechte Reaktion auf die falsch getroffenen Entscheidungen, dass ich irgendwo falsch abgebogen sei, vielleicht sogar etwas wiedergut zu machen hätte.
UND DANN?????? ......
...... höre ich, dass SOOOOOOOO viele Menschen von Einsamkeit bis hin zu sozialer Isolation betroffen sind! Und das über alle sozialen Schichten und Altersgruppen hinweg. Sollte ich mich darüber freuen? Sollte mich etwa die Tatsache beruhigen, dass es da draußen nicht nur mehr, sondern VIIIIIEEEEL mehr Menschen gibt, denen das Gefühl von Einsamkeit ein zwar ungewolltes, doch zugleich bekanntes ist? Rettet mich die Tatsache, dass auch andere nicht schwimmen können etwa vor dem Ertrinken?
Ich musste handeln! Das Stürzen in neue, mir sinnvoll erscheinende Tätigkeitsfelder, ist neben der Musik, meiner Rolle als Vater und gelegentlichem Sport eine DER Fähigkeiten, die mir in meinem Leben über schwere Gedanken helfen.
Und nun war ich wieder Feuer und Flamme. Ich wollte der Einsamkeit mit dem Wissen um deren Verbreitung entgegentreten, erstellte augenblicklich einen Post zum Thema, den ich auf Facebook veröffentlichte und lud zur Gründung einer Selbsthilfegruppe gegen eben diese Einsamkeit ein. Einer Gruppe, deren Teilnehmer sich tatsächlich im echten Leben begegnen, in der sich niemand aufgrund seiner Einsamkeit zu schämen brauchte, saßen wir doch alle im selben Boot.
Der Post:
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Wann kann es los gehen?
Nach nur wenigen Sekunden trudelten die ersten Likes und zu 95 Prozent positive Kommentare ein. Ich war gar nicht mal erstaunt über eine derartige Resonanz und doch bewunderte ich den Mut der Menschen, sich doch zumindest als Kommentatoren öffentlich als ebenfalls Betroffene zu outen. Ich schien in ein buchstäbliches Wespennest gestochen zu haben.
Andere hingegen agierten wesentlich vorsichtiger, schrieben mir auch des Nachts zum Teil sehr lange E-Mails, in denen sie sich für diese gute Sache bedankten, beschrieben mir, wie wichtig ein derartiges Angebot gerade in Großstädten sei und boten mir zugleich ihre Hilfe an, sollte ich diese einmal benötigen. Manche erzählten mir von deren unerwarteten Schritt in die Einsamkeit. Doch eines hatten alle E-Mails gemeinsam: Die Frage nach Ort und Zeit, an denen die Treffen stattfinden sollen. Und so kümmerte ich mich um den ersten Raum für alle, die unser Angebot nutzen, uns ganz unverfänglich besuchen und kennenlernen möchten.
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NICHT SO HILFLOS, WIE WIR GLAUBEN!
Je mehr ich mich mit dem Thema Einsamkeit und sozialer Isolation beschäftigte, desto schockierter war ich. Einsamkeit schaft physische und psychische Probleme. Laut dem Stressforscher Mazda Adli richtet soziale Isolation in unseren Körpern mehr Schaden an als Tabakkonsum, Alkoholmissbrauch oder Fettleibigkeit.
Einsamkeit verursacht Angst. Die ständige, durch diese Angst verursachte Ausschüttung des Stresshormones Cortisol hat einen gravierend negativen Einfluss auf unser Immunsysthem, begünstigt Bluthochdruck und die Entstehung von Krebszellen sowie Alzheimer.
Wie viele Menschen greifen aufgrund deren Einsamkeit zur Flasche, beginnen zu rauchen, versuchen ihrem Schmerz mit Zucker zu begegnen? Ich beobachte, während ich diese Stadt durchwandere, eine stetig wachsende Anzahl an ganz offensichtlich vermeidbar beeinträchtigten Mitmenschen.
,,Ein gesundes Miteinander stelle ich mir anders vor."
Jedoch ist es kein Geheimnis, dass unser Gesundheitssystem zumindest was die kassenärztliche Versorgung von psychischen Erkrankungen angeht, auf den Knien geht.
Viele unter uns benötigen aufgrund der vielseitigen, durch Einsamkeit und / oder sozialer Isolation verursachten Folgeerkrankungen fachärztliche Hilfe, die sie nicht erfahren, haben nach langem Zögern den Mut gefunden, sich überhaupt um derartige Angebote zu kümmern und machen die schmerzliche Erfahrung als Kassenpatienten abgewiesen zu werden.
Aber auch Betroffene von physischen Folgeerkrankungen suchen nicht immer eine Arztpraxis auf. Im Gespräch mit Betroffenen ist deren Gedanke, dann sei endlich alles vorbei, keine Seltenheit.
2025 sagte mir eine Psychiaterin, es sei sinnlos zu erwarten in absehbarer Zeit einen Psychotherapeuten in Leipzig zu finden, der für Kassenpatienten Zeit findet.
Ich weiß, dass ich kein Psychologe bin, weiß aber auch, dass das Warten ein Ende haben muss und wir endlich damit beginnen müssen, uns gegenseitig und somit auch uns selbst zu helfen. Nicht nur, weil der Gedanke an ein Miteinander so schön ist, sondern weil uns auch vielerorts nichts anderes übrig bleibt.
Wir warten und warten und hoffen und schimpfen und weinen und haben SOOOO vieles doch selbst in der Hand.
,, ... nicht so hilflos, wie wir glauben."

Ganz schön tief.
Sei du selbst. Das genügt.
Auch in meiner Stadt gibt es wertvolle Angebote und Selbsthilfegruppen, zu deren Teilhabe Menschen eingeladen sind. Allerdings ist unsere Gruppe sozusagen nicht themengebunden. Die Entstehungsgründe von Einsamkeit oder sozialer Isolation sind ebenso vielseitig wie die Interessen der jeweils von Einsamkeit Betroffenen.
Nun können Sie fragen, warum einsame Menschen nicht einfach mehrere der bereits angebotenen Gruppen besuchen?. Nicht wenigen Betroffenen ist das Vertrauen in deren Mitmenschen verloren gegangen. Sie benötigen Zeit und SEHR viel Mut, sich wieder unter Leute zu wagen. Einige haben schlimme Erfahrungen hinter sich, welche ihren Blick auf die Menschen unumkehrbar zu erschüttern drohen. Andere fühlen sich aufgrund ihrer finanziellen Lage von der Gesellschaft ausgeschlossen.
Nicht erwerbstätigen Menschen fehlt nicht nur das im besten Fall kollegiale Arbeitsumfeld, die Wertschätzung eines Vorgesetzten, das tägliche Gefühl, das an jenem Tag gesteckte Ziel erreicht zu haben. Nein, sie werden wie Aussätzige behandelt, die entweder nicht teilhaben WOLLEN oder sich nicht ausreichend bedanken. Das Herunterputzen von Bürgergeldempfängern zum Beispiel, scheint 2025 zum medialen Volkssport ausgeartet zu sein.
Fragen wie: ,,Warum kommst du nicht mit in die Gaststätte oder zur Bootstour?" ,,Warum bringst du dein Fahrrad nicht einfach zur Werkstatt?" oder ,,Wohin fliegst DU dieses Jahr in den Urlaub?" bieten da genug Potential, den soeben aufgebrachten Mut, sich der Gruppe anzuschließen, infrage zu stellen, wenn nicht gar gänzlich zu ersticken. Ich kann mir gut vorstellen, dass neue Gäste nicht in erster Linie erwarten, neue beste Freunde oder Seelenverwandte bei uns zu finden. Nein, ich denke, vielen fällt schon ein riesiger Stein vom Herzen, wenn sie sich einfach wieder geduldet fühlen dürfen.
Natürlich steht es dem Menschen im allgemeinen frei, sich beispielsweise einer Fahrradgruppe anzuschließen. Auch eine Gruppe, deren Mitglieder sich an Instrumenten versuchen, klingt verlockend. Eine Gruppe, die sich mit dem Backen beschäftigt, findet sicher auch ihre dankbaren Anhänger. ebenso wie eine Wandergruppe, Gruppen für Betroffene von Krankheiten psysischer und / oder physischer Natur, Gruppen zum Skat spielen etc.. Vorraussetzung des Besuches derartiger Gruppenangebote, ist und bleibt noch vor der Neugier, die Zuversicht angenommen, geduldet, akzeptiert zu werden.
Sollte ich mich einer Wandergruppe angeschlossen, dort Kontakte geknüpft, sich eine Kontinuität eingestellt haben, ich aufgrund einer Erkrankung, eines Unfalls nicht mehr Schritt halten können, drohte mir der Verlust des dort entstandenen und lieb gewonnenen Zugehörigkeitsgefühles. Ähnlich verhält es sich mit dem Fahrradfahren. Auch den körperlich niedrigschwelligeren Gruppenangeboten wie backen, Gesprächsrunden, Brettspiel- Nachmittage und ähnlichem, steht EINE Sehnsucht voran. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Geselligkeit, aber eben auch Verlässlichkeit.
Wir finden uns in einem unserer Räume ein, freuen uns über neue und alte Gesichter und planen mitunter die nächste gemeinsame Aktivität. Sollte ein Grillabend anstehen und das für jemandem so gar nichts sein, dann kommt er nicht mit zum Grillabend, befindet sich jedoch beim darauf folgenden Treffen nach wie vor in der Gruppe. Wir können uns zeigen, unsere Bedenken, Wünsche und Ideen in den Raum werfen, ohne dass wir Gefahr laufen, das Thema der Gruppe zu verfehlen.
Menschen, die einsam oder sozial isoliert waren, machten auch oft die Erfahrung, sich selbst, ihre eigenen Bedürfnisse, persönliche Grenzen und Interessen vor anderen versteckt zu haben. Sie passten sich an, ordneten sich den wenigen noch verbliebenen Kontakten unter, um bloß keine weitere die Vereinsamung verfestigende Abweisung zu riskieren. Denn diesen Schmerz könnte ihr dato ohnehin schon angezähltes Selbstwertgefühl nicht abfangen..
Du magst nicht mit zum Grillen kommen? Das ist überhaupt kein Problem. Dann sehen wir uns danach. Der vorgeschlagene Badeausflug ist so gar nicht deins? Überhaupt kein Problem. Du musst nicht erklären, warum. Falls du trotzdem mit kommen magst, auch ohne ins Wasser zu gehen, gib Bescheid. Falls nicht, sehen wir uns das nächste mal. Du bist und bleibst Teil unserer Gruppe, wir freuen uns, dass du es geschafft hast, HEUTE hier zu sein und auf die kommende gemeinsame Zeit.
Zur Aufnahme in unsere Gruppe bedarf es KEINERLEI Voraussetzung, keiner Erkrankung, keinem Hobby, Alter, Geschlecht oder politischer Ausrichtung. Wir erleben und beobachten, dass wir und unser Gegenüber nichts mitbringen müssen als uns selbst. Das genügt.
Letztens telefonierte ich mit einer Frau aus einem anderen Bundesland. Diese meinte, sie fühle sich oft einsam und allein gelassen. Sie hatte bereits ein höheres Alter erreicht, bewegte sich meist mithilfe von Krücken fort und hatte Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Ich schlug ihr vor, einige in ihrer Stadt angebotenen Gruppen zu besuchen. Sie las keine Bücher, zeichnete nicht, spielte kein Instrument, konnte sich nicht für Brettspiele, Würfeln oder Theater begeistern und mochte trotz allem Bekanntschaften schließen.
Zusammen sitzen und reden, gemeinsam durch die Stadt bummeln, in den Park gehen, die Enten füttern, solche Dinge eben. Nun ist schnell gesagt, probier es doch einfach mal aus. Lass dir das Karten spielen beibringen, lerne ein Instrument, schau, ob du nicht vielleicht doch noch Interesse am Theater entwickelst. Zeichne doch einfach irgendetwas. Ist doch egal, wie es aussieht. Die Hauptsache ist, du bist nicht allein.
Doch wie für alles gibt es auch für diese Art der Ablehnung bereits bestehender Angebote Gründe. Manche haben das Lernen verlernt, wurden mit der Zeit so selbstunsicher, dass sie Angst haben, sich die Bedeutung der verschiedenen Spielkarten nicht oder nicht schnell genug merken zu können, die anderen beim Spiel zu behindern. Sie haben Angst, andere könnten über ihr Gemaltes lachen, haben Angst vor dem offenliegenden Vergleich mit schneller lernenden, schöneren, klügeren, begabteren, sprich in ihren Gedanken talentierteren und somit beliebteren Menschen.
Es ist die Angst, nicht mithalten zu können.
Und die eigene Einsamkeit bestätigt ihren Verdacht. Die Frage: ,,Was haben die, was ich nicht habe?" scheint durch die oben aufgezählten Ängste scheinbar beantwortet. Mein Ziel ist es, auch solche Menschen mittels eines wie geplant absolut niedrigschwelligem Angebots aus deren kräftezehrenden Teufelskreis zu befreien, hin zu einer Gruppe, zu deren Aufnahme sie, wie bereits erwähnt, nur eines mitbringen müssen. Sich selbst. Das genügt.