Erwartungen

ERWARTUNGEN
 

ZWEI SCHRITTE VOR, EINEN ZURÜCK

Auch ich bin gute Vorsätze und Bemühungen hin oder her, nur ein Mensch. Was meine Gefühlspalette angeht, so versuche ich, mich weitestgehend fernzuhalten von mir durch andere auferlegte Gefühlsverbote. Wenn es nach einigen Influencern, Gurus oder ähnlichem ginge, dürften wir uns 24 Stunden am Tag zwischen Selbstliebe und Resilienz hin und her schaukeln. Und das möglichst allein. Meiner Auffassung nach hat alles von der Natur gegebene Sinn. Ja, auch ich fühle und empfange neben überschwänglicher Liebe auch Neid, gelegentlich Eifersucht, Einsamkeit, oder andere nicht populäre Gefühle. Im Grunde sind Gefühle Reaktionen. Aktion - Reaktion. Natürlich ist es ein gutes Gefühl, etwas Sinnvolles auf die Beine zu stellen, Menschen zusammen zu bringen, sich nicht gänzlich nutzlos zu fühlen, seine Eigenschaften und erlernten Fähigkeiten einbringen zu können und letztlich auch einbringen zu dürfen. Dennoch bin auch ich auf jedwede Schwierigkeiten gefasst, welche mir im Laufe der Arbeit begegnen werden und einen möglichst gefassten Umgang erfordern. .  

Hochgerechnet werden von 25 Menschen, die Interesse bekunden, 20 % tatsächlich bei einem Treffen erscheinen. Und das nehme ich ihnen nicht übel. Das Gefühl von Einsamkeit hinterlässt schließlich Spuren. 

 

HUHN ODER EI?

Eine Depression begünstig die Einsamkeit und die Einsamkeit begünstigt die Depression. Suchterkrankungen als Wundpflaster für die soziale Isolation oder der Verlust des sozialen Umfeldes aufgrund einer bereits bestehenden Suchterkrankung? 

Was mich angeht, so überlege ich Tag für Tag, ob ich nicht einiges hier mit Ihnen geteilte, lieber löschen sollte. Die Angst, nicht angenommen, ausgelacht oder gar beschimpft zu werden, ist heute verständlicher denn je. Aber ich möchte mit gutem Beispiel und mutig vorangehen. Denn ich kann nicht von anderen erwarten, sich zu ihrer Einsamkeit zu bekennen, während ich diese weiterhin zu verstecken versuche. Es geht, wie bereits auf der Startseite erwähnt, um das WIR.

 WIR brauchen einander. WIR sind soziale Wesen.  

Wenn mich die Angst packt, ich würde zu viel von mir preisgeben, mich zu verletzlich zeigen und dadurch angreifbar machen, dann denke ich an den Mut der jüngeren Generation, die sich in den öffentlichen Medien als suchtkrank, obdachlos, psychisch erkrankt, Sexarbeiterinnen etc. outen. Und ich? Ich bin wie Millionen andere arbeitssuchend, wohne wie Millionen andere in einem Neubaugebiet (allein 50.000 in meinem Viertel) und fühle mich wie Millionen andere oft einsam bis sozial isoliert. Fertig. Ob es schwerfällt, so etwas öffentlich zu schreiben? JA! Und den Menschen wird es voraussichtlich leichter fallen, mich schriftlich zu kontaktieren, als tatsächlich bei einem der Treffen zu erscheinen. 

Hinter jeder Absage steht eine verständliche Erklärung.

Zurück zur Überschrift: Einigen Menschen wird es Erleichterung verschaffen, von einem Angebot wie dem meinen zu wissen. Es wird sie so weit beruhigen, dass es den notwendigen Druck, aktiv werden zu müssen, abmildert. 

Andere folgen dem Impuls, sich zu melden und fallen wieder zurück in die Verunsicherung, noch bevor das erste Treffen mit uns stattfinden konnte. Immerhin hatten sie schon so vieles probiert und fühlen sich noch immer einsam. Die nächste mögliche Enttäuschung darf dann ruhig noch etwas auf sich warten lassen.

Wieder andere schreiben mir lange Texte, die ich so gut es die Zeit erlaubt, beantworte. Und das reicht ihnen bereits aus. Sie haben einen persönlichen Anschreib- Partner, der sich in sie hineinversetzen kann, vor dem sie sich nicht verstecken müssen und der mit ihnen kommuniziert. Langen schriftlichen Kontakten werde ich jedoch aus zeitlichen Gründen nicht nachkommen können, denn auch mein sozialer Akku benötigt die eine oder andere Ladezeit.

Einige werden aus der Gruppe neue Kraft schöpfen, an Selbstverständnis gewinnen, auch außerhalb der Gruppe neue Kontakte knüpfen, seltener und irgendwann gar nicht mehr erscheinen. Weitaus schlimmer wäre es, sie blieben für immer allein. 

Manch einer würde gern vorbei kommen, kann dies jedoch nicht tun, da die Rente kein Geld für den öffentlichen Nahverkehr übrig lässt. Andere wissen noch nicht, in welcher körperlichen und / oder seelischen Verfassung sie am Tag des bevorstehenden Termins sein werden, ob sie es überhaupt aus der Tür heraus schaffen, egal, ob sie wollten oder nicht. 

Nun besteht meine Intension darin, wahrhaftige Treffen zu organisieren, abseits des Bildschirmes mit echten Menschen. Und ich möchte andere dazu inspirieren, es mir gleich zu tun. Ich möchte Wege aufzeigen, die es auch dem unstudierten, mittellosen Otto Normalbürger ermöglichen, unserer Gesellschaft das wieder zu geben, was bereits in dessen Wortschatz enthalten ist. Die Geselligkeit, aus der so viel Gutes hervorgehen kann.

Allerdings gerate auch ich an meine Grenzen, wenn ich zum Beispiel viel Zeit in den schriftlichen Austausch investiert habe, um interessierte Menschen auf dem Laufenden zu halten, die am Ende aus oben erwähnten Gründen nicht erscheinen. Ich lerne während jeder Interaktion. Ich rechne also mit allem, was mich wiederum gefasster macht. Welche bürokratischen Steine mir eventuell in den weg gelegt werden, bleibt abzuwarten und ich werde auf dieser Seite darüber berichten. (schauen Sie hierzu gern in den Bereich: Schwierigkeiten) Auch erfahre ich mitunter Gekränktheit von Menschen, die mir Tipps geben, die ich vielleicht nicht befolgen werde, da ich neue, einfachere, gehbarere Wege erschließen möchte. 

Manche haben das Gefühl, sobald sie ohne entsprechende Ausbildung etwas für Menschen täten, ständen sie bereits mit einem Bein im Knast. Deshalb lassen sie es. Das ist schlimm und ich möchte erfahren, ob es auch anders geht. Dabei badanke ich mich bereits im Voraus für all jene, die ihrem Bedürfnis nachgehen, uns in unserem unbürokratischen Kampf gegen die Einsamkeit zu unterstützen.

,,Wir Menschen haben kein Mitspracherecht, ob wir geboren werden oder nicht. In der Regel wissen wir auch nicht, wann wir sterben werden. Aber wir können mitbestimmen, wie wir unser Leben verbringen möchten. Ob einsam oder in Gesellschaft. Versuchen Sie es! Kontaktieren sie mich und erscheinen Sie auf einem unserer Treffen. Ich erwarte Sie"

Ron Wesemann


 

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